Aktuelles aus unserem Pfarrverband!

07.11. – 30.11.2019

 

Wie Martin teilte

Der Martinsmantel erzählt

 

Wahrscheinlich habt ihr noch nie erlebt, dass ein rotes Tuch spricht. Aber ich habe so was Tolles erlebt – das muss ich euch einfach erzählen. Für euch sehe ich nur aus wie ein normales Stück Stoff. Aber eigentlich bin ich ein Soldatenmantel – ich muss wohl eher sagen: war. Denn das ist schon ganz lange her. Früher, vor 1.700 Jahren, trugen die Soldaten einen Umhang, der sie wärmte. Damals gab es noch nicht so Mäntel und Jacken, wie ihr sie heute habt.

Ich gehörte Martin, einem Offizier in der Armee des römischen Kaisers. Amiens heißt die Stadt, in der wir waren. Das liegt in Frankreich. Kalt war es an diesem Abend, sehr kalt. Martin wickelte mich ganz fest um sich und freute sich schon darauf, bald am warmen Kamin zu sitzen. Wir ritten an der Stadtmauer entlang und kamen gerade zum Stadttor. Nur noch schnell heim ...

 

Mit einem Schwert entzweigeschnitten

 

Plötzlich hielt Martin an. Was war los? Ich schaute mich um und da sah ich es: Vor uns saß ein Bettler in zerlumpten Kleidern am Boden. Seine Hände und Füße waren fast starr vor Kälte. Trotzdem streckte er uns die Hand entgegen: „Helft mir doch! Mich friert es so! Teilt mit mir! Hunger hab’ ich auch!“

„Der arme Mann. Es ist doch so kalt!“, dachte ich noch und spürte schon einen Stich. Martin hatte mich abgenommen und schnitt mich mit seinem Schwert in zwei Stücke! Eines davon legte er dem Bettler um: „Hier, mehr habe ich nicht dabei. Ich kann nur meinen Mantel mit dir teilen. Hoffentlich schenkt er dir ein bisschen Wärme!“

 

Der Traum

 

Am nächsten Morgen hörte ich Martin beim Aufstehen murmeln: „Komisch, was ich heute geträumt habe. Ich habe Jesus gesehen. Er hatte meinen halben roten Mantel an. Und er sagte: ‚Danke, Martin, dass du deinen Mantel mit mir geteilt hast! Was du einem anderen Gutes tust, das tust du mir.‘“ Martin saß auf seinem Bett und schüttelte den Kopf: „Toller Traum! Ich will noch mehr von Jesus erfahren und mich taufen lassen. Ja, ich möchte Christ werden. Heute gehe ich gleich zu Bischof Hilarius.“

Ab da änderte sich unser Leben gewaltig, denn Martin wollte auch kein Soldat mehr sein. Später wurde er sogar Bischof. Aber das bekam ich lange gar nicht so recht mit, denn ich war immer noch so baff: Was für eine tolle Idee Martin da hatte bei dem Bettler. Ab jetzt konnte ich zwei Menschen wärmen. Teilen ist doch eine tolle Sache!

 

Martina Kraus

 

Quelle: Kindermissionswerk „Die Sternsinger“,

www.sternsinger.de, In: Pfarrbriefservice.de

 

 

 

 

Aktuelles aus unserem Pfarrverband!

28.10. – 06.11.2019

 

Allerseelen

 

Die meisten Menschen haben den Wunsch, nach ihrem Tod nicht in Vergessenheit zu geraten, weiterzuleben in ihren Kindern, ihren Werken, ihren Taten. Für sie können die Worte Jesu "Denn es ist der Wille meines Vaters, dass alle, die den Sohn sehen und an ihn glauben, das ewige Leben haben..." (Joh 6,39-40) Trost sein.

 

Papst Johannes XXIII. hat von Ostern als dem Fest aller Toten gesprochen. Im Altertum war das Totengedenken in den Osterfestkreis fest integriert. Jährliche Gedenktage für alle Verstorbenen bestehen in der Westkirche seit dem frühen Mittelalter. Als der Zusammenhang zwischen Totengedenken und Auferstehung verblasste, wanderte der Gedenktag auf den Anfang des Novembers. Die Reformbenediktiner von Cluny förderten diese Entwicklung und betrieben die Verlegung des Allerseelentages auf den 2. November, den Tag nach Allerheiligen. Der erst bei den Dominikanern, dann bei den Priestern im spanischen Einflussbereich verbreitete Brauch, an diesem Tag dreimal Eucharistie zu feiern, fand immer mehr Anhänger, so dass Benedikt XV. im Jahr 1915 gestattete, es weltweit zu tun.

 Allerseelen

Der Allerseelentag ist bei der älteren katholischen Bevölkerung noch tief im Bewusstsein verankert. Jedoch der nachlassende Glaube an die Auferstehung, die hohen Beerdigungskosten und oft nicht zu klärende oder zu bezahlende Grabpflegekosten führen zu neuen Bestattungsformen, die dem Toten keinen eigenen lokalisierbaren Ort mehr zugestehen. Allerseelen ist zutiefst mit der Vorstellung verbunden, dass man für alle verwandten Toten beten und ihr Andenken pflegen muss.

 

Allerseelen, das Gedächtnis aller Verstorbenen, gedenkt nicht nur der bekannten Verstorbenen, sondern auch derer, die keiner mehr mit Gesicht oder Namen kennt. Auch sie sind ein Teil von uns, so wie ein Teil der ganzen Christenheit.

 

Ihr Stadtpfarrer
A. Lindmeier